Meisterliche Kneipentour

Der süssliche Schmerz, dass gegen Länder gespielt würde, die man im Grunde gerne mag, machte sich schon beim Auftaktspiel der Deutschen gegen Portugal bemerkbar. Die Fahnen beider Nationen hielten sich in den Fenstern des Sauerländer Städtchens ziemlich die Waage, doch nach dem 4:0-Sieg begab sich die recht große lokale Portugiesische Gemeinde optisch proportional zum Ergebnis in die Defensive.

 

Die gesamte Iberische Halbinsel schien bei dieser WM unter einem schlechten Stern zu stehen, den Anfang von Spaniens Ende sah ich fast allein im Pub von meinem Stammplatz aus, der Rest hatte es vorgezogen, Rauchverbot und Fernseher an den Tischen im Freien zu umgehen. Nur eine Handvoll Holländer bejubelte Van Persies fantastisches Kopfballtor, während ich betreten schwieg.

 

Ungefähr zeitgleich mit dem ebenfalls schnell folgenden Ausscheiden der Engländer ging der Pub in Flammen auf und der Britische Wirt sah sich genötigt, diesen Sommer ohne Fussballemotionen und legendäre WM-Umsätze zu durchleben. Bald wurde er so zu einem Frühaufsteher und konnte endlich mal ein ganz gewöhnliches Familienleben führen, was er, ohne es je zuzugeben, sichtlich genoss.

 

Das flammende Ereignis trieb mich aus meinem Kokon hinaus in die anderen Kneipen der Stadt, wie der des Portugiesen dessen Herz nur noch für Brasilien schlägt, seit er sich eine schöne Frau von dort genommen hat. Doch selbst diese Bande brachten kein Publikum und so sass ich vor der Projektionsleinwand oft nur mit einem alten Freund, der sich zu meiner Überraschung als wahrer Fussballexperte entpuppte, ist er doch eigentlich so ziemlich gegen alles.

 

Was blieb mir noch von der frühen Phase der WM in Erinnerung? Das Spiel Costa Ricas, als es Griechenland aus dem Wettbewerb warf, wobei ich mich zur Halbzeit aus einer weiteren Kneipe stahl, da der Wirt vom Peloponnes stammt; den Bannkreis, den wir mit Bier um eine deutsche Fahne zogen um den schamanischen Zauber der Ghanesen zu brechen, was augenscheinlich zum kurz darauf fallenden Ausgleich führte, ein Siegeskorso, der von der Polizei mit gezogenen Pistolen gestört wurde, als sie einen armen Teufel versuchten daran zu hindern, sich die Fingernägel mit einem Messer zu reinigen. Und mein Erstaunen, dass Löw ein umstrittener Trainer ist. Das hatte ich zuvor nicht mitbekommen – war er denn nicht der Beste, den Deutschland je hatte?

 

Dann kam die schreckliche Verletzung Neymars, gefolgt vom Halbfinale gegen Deutschland, das ich im brechend vollen Festsaals meiner ehemaligen Jugendkneipe sah. Die ersten drei Tore, die die Seleção verpasst bekam, wurden noch aus vollen Kehlen bejubelt, doch bald wich das Adrenalin aus dem Blut, der Alkohol gewann die Überhand und ungläubiges, benommenes Schweigen machte sich breit. Etwas schien nicht richtig zu sein an diesem immer ungeheuereren Ergebnis und alle freuten sich über Brasiliens Ehrentreffer zum 7:1.

 

Den Einzug Argentiniens ins Finale sah ich in einer meiner Lieblingskneipen Barcelonas, einer Stadt wie ein Argentinischer Aussenposten. Dementsprechend war die Stimmung, als Van Gaals Truppe mit ihrem genialen aber zu oft melodramatisch stürzenden Robben besiegt wurde. En Elfmeterschießen würde ich allerdings meinem ärgsten Feind nicht wünschen und Holland ist weit davon entfernt, ein solcher zu sein.

 

In meiner Tippgemeinschaft lag ich plötzlich auf Platz Eins, was ja bekanntlich kein Beweis grosser Fußballkenntnise ist. Doch Erfolg macht leichtsinnig und bei meinem Tip für das Spiel um den dritten Platz war wohl der Wunsch, der Gastgeber möge mit Anstand scheiden, Vater des Gedanken. Doch Brasilien war schon zu tief in Saudade versunken, Holland leckte nach dem frühen Elfer Blut und mein Vorsprung war dahin.

 

Doch wo nun das Finale schauen? Meine Argentinischen Freunde würde ich an diesem Abend wohl alleine lassen müssen. So stiess ich am Stadtrand auf Don Bratwurst, das Lokal eines gutgelaunten Deutschen Rockers. Als der Türsteher in Lederkutte und hartem Blick jedoch sogar die süsse Maus vor mir nicht mehr in die gänzlich überfüllte Kneipe liess, obwohl sie kaum mehr Platz beansprucht hätte als ein Bierdeckel, war klar, dass ich woanders schauen musste und zog mit einer Schaar Schicksalsgenossen einen Block weiter in die Pizzeria eines mürrischen Chinesen.

 

Als wir dort mit Schwarz-Rot-Goldener Kriegsbemalung und Deutschlandfahne einzogen, war die Hälfte des Lokals bereits von Argentiniern besetzt. Mein Schamgefühl hielt sich in Grenzen, teilte ich doch den Tisch mit einem halben Dutzend kampfbereiter wie hübscher Germaninnen. Nach dem Ringen der ersten Halbzeit zollte man sich gegenseitig Respekt, die Argies spendierten Zigaretten und machten Selfies mit Deutschlandfahne (einschließlich Blondinen). Es folgte der nicht enden wollende zweite Teil des Krimis bis zur von Götze bereiteten Erlösung in der 113. Minute. Dann kamen Strand, Musik und nette Abschiedsblicke. Lasst von Euch hören.

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Kommentare: 14
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